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Hommage an das Saxophon – Salzgitter würdigt ein Musikinstrument

  • Datum: 11. Juli 2019
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Hartmut Schölch zeigt den Grundstock seiner Sammlung: das Gautrot-Saxophon (links) und das Sax-Saxophon (rechts im Bild) (Bildrechte: Beate Ziehres)
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ZeitOrte
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Hartmut Schölchs Leidenschaft sind die Musik und Musikinstrumente. Der Leiter des Fachbereichs Kultur der Stadt Salzgitter besitzt unter Anderem 106 Saxophone. Vom 3. Mai bis zum 18. August ist die private Instrumentensammlung unter dem Titel „Sax Couples“ im Kuhstall des Städtischen Museums Schloss Salder zu sehen – einem von 100 zeitORTEn in der Region.

Ich bin nach Salder gefahren, um hinter die Kulissen von „Sax Couples“ zu schauen und Hartmut Schölch einige Fragen zu stellen. Beispielsweise was es mit dem Titel „Sax Couples“ auf sich hat. Was der Auslöser seiner Sammelwut war. Und wann er noch Zeit hat, Saxophon zu üben.

Die Ausstellung ist noch nicht fertig aufgebaut, aber die Koffer bleiben.
Die Ausstellung ist noch nicht fertig aufgebaut, aber die Koffer bleiben. (Foto: Beate Ziehres)

Wie die Saxophon-Liebe angefangen hat

Hartmut Schölch hat sich während seines Studiums der angewandten Kulturwissenschaften auch mit Gitarre und Saxophon befasst. Drei Saxophone nannte er damals sein Eigen. „Das reicht eigentlich zum Musizieren“, sagt Schölch schmunzelnd. Und erwähnt auch, dass er das Saxophon nach dem Studium erst mal ruhen ließ, um ein ordentlicher Verwaltungsangestellter zu werden.

Doch dann kam ein Tag, an dem alles außerordentlich gut lief für Hartmut Schölch. Gerade hatte er im Süden der Republik einen Arbeitsvertrag und einen Mietvertrag für eine Wohnung unterschrieben.

Schon beschwingt schlenderte er über einen Narrenflohmarkt, der am gleichen Tag stattfand. Gut gelaunt erstand er dort ein altes, schepperndes Saxophon. Wie sich später herausstellte, war das Schnäppchen ein Original aus der Werkstatt des Saxophon-Erfinders Adolphe Sax. Es wurde 1868 in dessen Werkstatt in der Pariser Rue St. Georges in Paris gefertigt.

Beim Kauf seines zweiten historischen Instruments war Hartmut Schölchs Sammelwut schon voll entbrannt. Es war ein Tenor-Saxophon aus der Werkstatt von Sax’ wichtigstem Konkurrenten: Pierre Louis Gautrot.

Hartmut Schölch zeigt den Grundstock seiner Sammlung: das Gautrot-Saxophon (links) und das Sax-Saxophon (rechts im Bild)
Hartmut Schölch zeigt den Grundstock seiner Sammlung: das Gautrot-Saxophon (links) und das Sax-Saxophon (rechts im Bild) (Foto: Beate Ziehres)

„Damals ist es richtig hoch hergegangen. Die beiden Widersacher haben sich gegenseitig Patente geklaut und die Fabriken angezündet“, weiß Hartmut Schölch. Er lernt, dass man erst in den 1920er-Jahren mit der Lackierung der Messing-Instrumente zu experimentieren begann. Brauchbare Ergebnisse wurden seit den 1940ern erzielt. Ältere Exemplare waren entweder unbehandelt, versilbert oder vergoldet.  

Seit ihn die Sammelsucht im Jahr 2001 befallen hat, vergrößert sich nicht nur Schölchs Instrumentenbestand. Auch sein Wissen über Saxophone und Themen, die auch nur im Entferntesten mit den Instrumenten zu tun haben, hat beachtliche Ausmaße erreicht.

Auf Zeitreise im Städtischen Museum Schloss Salder: Von Eiszeitgarten bis zum Industriestandort.

Was es mit den „Sax Couples“ auf sich hat

Nun – im Jahr des Saxophons – öffnet er Instrumentenkoffer und Archiv und gewährt Interessierten Einblick in seine Sammlung. Seine beiden ersten Saxophone – die Modelle von Sax und Gautrot – sind zu sehen, das große Bass-Saxophon und das kleinste aus der Sammlung, das Sopranino. Und ganz viele Instrumente dazwischen.

Darunter sind beispielsweise auch Klarinetten, die von Saxophonbauern hergestellt wurden. Auch sie zählen zu Hartmut Schölchs Sammlung. „Ich denke immer in Paaren“, erklärt er die Struktur seiner Sammlung. Denn irgendwann hat er festgestellt, dass er nicht alles kaufen kann, was interessant erscheint. „Es muss einfach passen“, sagt er. Nun wäre also auch der Titel „Sax Couples“ erklärt.

Im Erdgeschoss der Scheune dreht sich auf 45 großen Infotafeln alles um das Saxophon. Und auch die Instrumente sind hier zu sehen. Im Obergeschoss hat Hartmut Schölch eigens für die Ausstellung in Salzgitter zwei weitere Themenbereiche aufbereitet: Das Saxophon in der Werbung und das Saxophon in Kunst und Natur.

Bei meinem Besuch in Salder ist bereits klar erkennbar, wohin die Reise geht. Ein guter Freund von Hartmut Schölch hat die Aufgabe bekommen, die Saxophone zu polieren und in Vitrinen zu platzieren. Michael Rudigier ist Musiker, im Schwarzwald zu Hause und weiß genau, wo er den Lappen ansetzen darf. „Das Saxophon hat extrem scharfe Stellen und birgt ein erhebliches Verletzungsrisiko“, erklärt Hartmut Schölch.

Der Leiter des Fachbereichs Kultur fasst auch selbst an und dreht im Dienste der Sicherheit ein paar Vitrinen um. Doch das wird nicht sein einziger praktischer Beitrag bleiben. Der passionierte Saxophonist gibt er im Laufe des Jahres mehrere Konzerte, meist gemeinsam mit Musiker- oder Bandkollegen.

Veranstaltungsprogramm rund um das Saxophon

Als Musiker verwandelt sich Hartmut in Hardy und spielt beispielsweise in der elfköpfigen Formation Hawkids’n’Horns mit. Zu hören am 8. Juni beim Zeltival im Park in Lebenstedt. Oder er entführt das Publikum als Saxophonist des Trios MACUA in die Gedankenwelten der Ureinwohner verschiedener Kontinente. Beim MACUA-Konzert am 15. Juni in der Dreifaltigkeitskirche in Salzgitter-Bad gibt es auch ein Wiedersehen mit Michael Rudigier, den ich gerade beim Saxophon polieren kennengelernt habe.

Ein Highlight ist sicherlich die Veranstaltung Sax-O-Phil am 23. November. Es handelt sich dabei um eine musikalische Liebeserklärung an das Saxophon. Hartmut Schölch wird einige seiner Schätze spielen, darunter Raritäten wie das Saxophon aus Adolphe Sax’ Werkstatt, Luxophon und Bambussax.

Erst die Theorie, dann stellt Hartmut Schölch in einem Konzert viele Instrumente live vor.
Erst die Theorie, dann stellt Hartmut Schölch in einem Konzert viele Instrumente live vor. (Foto: Beate Ziehres)

Saxophon-Vorstellung ohne Garantie

Was in der Beschreibung vielleicht etwas trocken klingt, verspricht durchaus lustig zu werden. „Sax-O-Phil ist wie Tischtennisrundlauf alleine“, witzelt Schölch. Zum Hintergrund: Das Saxophon ist ein Holzblasinstrument, denn das Rohrblatt, das den Ton erzeugt, ist aus Holz.

Damit der Ton sauber stimmt, muss das Blättchen feucht sein – ein schwieriges Unterfangen, wenn auf jedem Instrument nur ein Stück gespielt wird. „Ich spiele nachmittags jedes einzelne Saxophon warm“, sagt der Musiker. Eine Garantie dafür, dass abends alle Töne stimmen, ist das jedoch nicht. „Es darf gelacht werden, wenn das Saxophon quiekt“, schmunzelt er.

Workshop mit den ungekrönten Königen des Saxophons

Ein Höhepunkt für Saxophonisten zwischen 12 und 94 Jahren dürfte ein Saxophon-Workshop mit dem Raschèr Saxophone Quartet sein. Die Musiker aus den USA kommen für ein ganzes Wochenende nach Salzgitter, um mit den Teilnehmern zu arbeiten. Parallel zum Workshop spielen die „ungekrönten Könige des Saxophons“ am 9. November ein Konzert im Fürstensaal von Schloss Salder.

Zu einer „Saxplosion“ kommt es schließlich am 15. November: Albie Donnelly und Malcolm „Molly“ Duncan, die bereits für Weltstars wie Bob Geldof, Annie Lennox und die Dire Straits spielten, kommen in die Kulturscheune. Vor genau 20 Jahren waren sie schon einmal in der Scheune in Lebenstedt zu Gast. 

Ich bin schwer beeindruckt angesichts des Veranstaltungsfeuerwerks, das Salzgitter als Hommage an das Instrument des Jahres 2019 zündet. Und es bleibt nur noch die letzte Frage offen: Wann hat Hardy Schölch als Ausstellungskurator und Chef-Organisator noch Zeit, Saxophon zu üben? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Nachts“.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Öffnungszeiten Ausstellung „Sax Couples“:

Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr
Sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr

Führungen:

Sonntag, 5. Mai, 14.30 bis 16 Uhr und Sonntag, 18. August, 14.30 bis 16 Uhr und auf Anfrage

Kontakt und Informationen

Stadt Salzgitter – Fachdienst Kultur
Städtisches Museum Schloss Salder
Museumstraße 34, 38229 Salzgitter

Tel. 05341 839-4619, museum@stadt.salzgitter.de

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Museumstraße 34
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