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Kultur im Zelt – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

  • Datum: 20. August 2019
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 (Bildrechte: Bärbel Mäkeler)
Foto von Bärbel Mäkeler
Bärbel Mäkeler
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Am 27. August fällt der Startschuss zur fast schon legendären Veranstaltung „Kultur im Zelt“ (KiZ). Seit sage und schreibe 21 Jahren begeistert, erfreut, beglückt das Konglomerat aus Musik, Show, Comedy und anderen Disziplinen die von Jahr zu Jahr größer werdende Gästeschar. 34 Tage Veranstaltung – ein Kraftakt. Aber auch die Arbeit im Vorhinein ist nicht ohne. Ich will mir aus der Nähe anschauen, wie auf einer grünen Wiese eine kleine Zeltstadt entsteht.

Tag 0

Das erste Mal betrete ich das Terrain einen Tag vor dem Termin, den mir Silke Behrens, die Geschäftsführerin von „Kultur im Zelt“, als Beginn des Aufbaus genannt hat. Ich radle mit Kamera bewaffnet zum Bürgerpark, stelle mein Rad neben einer Bank auf dem Rasen ab. Das erste Mal sehe ich mir diesen Teil des Parks bewusst an. Wie schön er ist! Hügelig, mit Baumgruppen verschiedener Nadel- und Laubbaumsorten bestückt, hier und da einzeln verteilte Bänke, fast menschenleer – einfach idyllisch. Noch ist hier nichts vom bevorstehenden Aufbautrubel zu sehen.

Tag 0 – Der Bürgerpark, Gelände der KiZ. (Foto: Bärbel Mäkeler)

Tag 1

Tags darauf komme ich wieder zur Grünfläche an der Theodor-Heuss-Straße. Und siehe da, ein Sattelzug verlässt gerade den Parkplatz. Silbern blinkende Gerüste liegen zum Aufbau bereit, ein Container steht einsam unter einer großen Buche zwischen gerollten Planen in Blau und Rot, erste begehbare Planken sind zu Wegen zusammengefügt. Ein paar Arbeiter stehen um einen großen Kranwagen herum und diskutieren. Überdimensionale Gabelstapler warten auf ihren Einsatz. Es geht los!

Tag 1 – Riesige Gabelstapler bringen die Gerüste. (Foto: Bärbel Mäkeler)

Der Aufbau schreitet voran

Am 3. Tag des Aufbaus ist schon richtig was zu sehen. Das vor drei Tagen noch wie ein Kreuz zusammengelegte Gerüst hat sich wie von Geisterhand auf vier staksige Beine gestellt. An der überdimensionalen Krake hängt das rote Hauptzelt, das rund 2.000 Quadratmeter Planenfläche umfasst. Das erfahre ich vom Aufbauleiter, der gerade im verschatteten Zelt mit einem Kollegen über Strippen „verhandelt“. Von ihm erfahre ich, dass alle Zelte zusammen rund 4.000 Quadratmeter Plane auf den Platz bringen. Das ist die ungefähre Größe von drei Profischwimmbecken. Wie lange wohl der Aufbau dauert, frage ich erst mich und dann ihn. „Ja, die großen Zelte stehen in neun Tagen und in rund 14 Tagen ist alles fertig“, lächelt der sympathische Mittvierziger. Er scheint die Ruhe weg zu haben. Wir haben Tag 3 und ich weiß, wie die „Kultur-im-Zelt“-Stadt nachher aussehen wird. Schließlich habe ich hier schon einige Highlights erlebt: Axel Prahl, der dieses Jahr auch wieder mit von der Partie ist, und die 17 Hippies und einige andere mehr. Einen habe ich dort das letzte Mal überhaupt gesehen: Hanns-Dieter Hüsch, er starb 2005. Aber ich schweife ab.

Herr der Zelte

Also die Zelte. So ganz nebenbei erzählt mir der Herr der Zelte, dass dieses ein ganz besonderes ist: fast das einzige in Europa, das keine innenliegenden Stützen hat. Eine Sensation also. Das bedeutet somit ein Mehr an Platz für Tische, Stühle und Theken. Stimmt, deshalb wirkt es auch so riesig, wird mir nun klar. Das Zelt ist von Sarrasani, erfahre ich. Und wieso bekommt KiZ solch eine einzigartige Attraktion? „Wir arbeiten schon seit 20 Jahren mit Beate zusammen.“ Beate Wiedemann ist seit Anbeginn 1999 die Chefin „vons Janze“.

An diesem Tag zieht noch ein laues Lüftchen durch das Zelt, denn rundum stehen in 1-Meter-Abständen Stangen, die das Zelt scheinbar wie einen überdimensionalen Rock am Saum lüpfen. Im Umdrehen frage ich noch: „Und mit wem habe ich gesprochen?“, ich will ja ordentlich zitieren. „Sarrasani“, grinst er. „Nääh!“, rutscht es mir spontan raus. Ein echter Sarrasani? Wirklich? Kindheitserinnerungen ploppen ohne nachzudenken auf. Der Kollege bestätigt mit einem Kopfnicken. „Und haben Sie auch einen Vornamen?“ „André“, schmunzelt er erneut. Zu Hause recherchiere ich sofort und finde einiges über André Sarrasani, der ein Nachfahre der über hundert Jahre alten Zirkusdynastie Sarrasani ist.

Von Zelten und Crowdfunding

Dieses besondere Zelt gehört seit zwei Jahren dem Verein „Kultur im Zelt“, das er aus der Insolvenzmasse von Sarrasani erworben hat. Damit hört ja die jährliche Zitterpartie für die beiden Veranstalterinnen endlich auf, denke ich. Dem war aber nicht so, erfahre ich im Telefonat mit Beate Wiedemann. Das andere Zelt, das auch dem Verein gehört, steht nämlich nicht zur Verfügung, es dient seit einiger Zeit als Vorlesungsraum und ist für zwei Jahre an die Uni vermietet.

Deshalb musste ein drittes Zelt her. Ein Hersteller aus Italien konnte es kurzfristig eigens für KiZ produzieren. Es kam neudeutsch „just in time“, aber mit acht Aufbauhelfern plus zupackendem Aufbauleiter klappt das schon. Die Gelder kamen durch Crowdfunding, die Miete des Unizeltes und Spenden zusammen. Auch das neue Zelt hat außenliegende Stützen und es fasst 700 bis 900 Besucher, je nach Veranstaltung. Im großen Zelt können bis zu 1.300 Kulturfans Platz nehmen und sich beschallen, bespielen, begeistern und zum Lachen bringen lassen. Ganze 42 Meter Durchmesser machen dies möglich.

Veranstaltungen, Veranstaltungen, Veranstaltungen

Insgesamt werden über einen Zeitraum von 34 Tagen 54 Veranstaltungen geboten. Was gibt’s zu sehen und zu hören? Von regional bis international: Chanson, Jazz, Liederabend, Pop, Rock, Soul, außerdem Comedy, Kabarett, Kinderprogramm, Lesungen, Musiktheater, Puppenspiel, Show, Tanz und Varieté.

Viele Vorstellungen sind schon ausverkauft, erfahre ich von Beate Wiedemann. Rund zwanzig Termine waren bereits nach kurzer Zeit „weg“. Also sputet euch, wenn ihr noch in den Genuss des Erlebnisses KiZ kommen wollt! Ein 130-seitiges Programmheft informiert über die einzelnen Veranstaltungen. Beim Blick hinein ins bunte Programm kann ich mich gar nicht entscheiden – Jazz, Kabarett oder Turnkunst. Stand-up-Comedy oder Singer-Songwriter? Auf jeden Fall bin ich am 8. September beim Kulturflohmarkt dabei.

Ich will von Beate Wiedemann noch wissen, ob sie einen Favoriten im Programm hat. Nein, hat sie nicht. Mit manchen verbindet sie selbstverständlich große Sympathien, denn viele Künstler kommen ja schon über Jahre zum Braunschweiger Zelt-Event. Es gibt aber auch Künstler, die zwar auf der Bühne Hervorragendes leisten, die sich dann aber backstage als „nicht so nett“ entpuppen.

Wenn der letzte Vorhang fällt

Am Ende habe ich noch eine private Frage an die vielbeschäftigte Veranstalterin: Was macht sie wohl, wenn alles vorbei ist? Erstmal ist am 29. September natürlich für solche Unternehmer*innen gar nichts vorbei. Abbauen, aufräumen, einsortieren, sauber machen, resümieren und der ganze Papierkram. Und wie fühlt sie sich am Ende solch einer Mammutveranstaltung? „Natürlich freuen wir uns, wenn alles gutgegangen ist, wir sind dann aber auch etwas wehmütig.“ Dann gönnt sie sich erstmal eine Pause: „Ja, dann setze ich mich in meinen Garten mit meinen Tieren und möchte niemanden mehr sehen.“ Da möchte sie allein sein, was allemal nachvollziehbar ist.

Und die nächste Kultur im Zelt kommt bestimmt, da wird das Zelt noch größer und noch mehr Veranstaltungen erwarten uns Braunschweiger und KiZ-Freunde. Aber erstmal heißt es, noch eine Karte zu ergattern.

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